Attendez la crème

Die Sequenz, die ich ausgewählt habe, ist diejenige, in der Shoshanna und Landa endlich aufeinandertreffen. Mich interessiert sie von dem Moment an, als er den Raum betritt, denn ich persönlich empfinde ihn als das beste Element im ganzen Film (bis jetzt).

Zuerst ist er nicht in der Szene zu sehen, bloss seine Stimme ist hörbar, was fast einen stärkeren Eindruck erweckt als eine tatsächliche Aufnahme von ihm. Die Stimmung ändert sich merklich, einerseits weicht das Leben aus dem Raum, die Musik schwellt an, andererseits weicht Shoshannas Gesichtsausdruck von leicht angespannt zu höchst traumatisiert. 

Offizier Landa betritt den Raum, nur halsabwärts sichtbar, und stellt sich hinter Shoshanna. Man sieht eine Grossaufnahme von ihrem Gesicht, gleichzeitig aber noch Teile des Restaurants, die von Landas breitem Oberkörper eingerahmt werden. Es ist faszinieren, wie er das Licht zu halbieren scheint und die ganze Szene ins angespannte kippt.

Nach einer kurzen Szene, in der Shoshanna darum kämpft, ihr Gesicht neutral zu halten, und in der Landa sich mit Zoller unterhält, um wiedereinmal seine Macht zu demonstrieren, beginnt ein Gespräch. Die Kamera ist abwechselnd auf Shoshanna und Landa gerichtet, währen er sich viel bewegt und viel Platz einzunehmen scheint, wirkt sie eher klein und leblos. 

Was mich extrem beeindruckt hat war die kurze Rückblende, in der die bedrohliche, laute Musik, die Landa bei seinem Eintritt mitbringt, abrupt verstummt und mit einer bekannten Szene unterbrochen wird. Es wirkt auf mich fast bedrohlicher, nichts zu hören als Landas Stimme, als er „Au Revoir, Shoshanna“ ruft, als laute Musik. Erst Recht, da die Beiden sich jetzt wirklich wiedersehen.

Soweit ich mich erinnern kann, ist die Musik nicht durchgehend laut oder hastig, zwischendurch wird es eher leise, weil man dann nur noch das Kauen von Landas widerlichem Strudel hört. Dieses erinnert mich übrigens an das Ticken der Uhr in der allerersten Szene, es hat etwa gleich wenig Sinn, aber erschafft extreme Anspannung.

Mir wurde fast übel, als Landa seinen Strudel kaut, einerseits, da er dabei so unglaublich abstossend dasitzt, aber auch, weil ich genau weiss, was Shoshanna psychisch in diesem Moment durchmachen muss. Landa könnte genau so gut neben ihrer toten Familie Strudel schmatzen. 

Der Satz „attendez la crème“ habe ich als Foreshadowing verstanden, denn Landa lässt sich immer Zeit. Er wartet auf die Sahne, bevor er seinen Strudel geniesst, genau wie er auf den perfekten Moment wartet, um Shoshanna zu töten. 

Die Szene ist mit der Schuss-Gegenschuss Einstellung gefilmt, das Licht ist komplett normal, beziehungsweise entspricht es dem Licht, das normalerweise in einem Restaurant herrscht. Ich denke, dies könnten bewusste Stilmittel sein, dass diese scheinbar komplett normale Szene eigentlich an sich nicht bedrohlich ist, nur, wenn man die Vorgeschichte kennt.

Der Raum, in dem die Szene spielt, ist ziemlich vollgestopft und dunkel, er wirkt auf jeden Fall einengend. Wie bereits in der ersten Szene werden erst dann Detailaufnahmen gezeigt, wenn beiden Gesprächspartnern klar ist, dass das Gespräch nur schau ist. Genau das wird sogar im Dialog gesagt. 

Es geschieht an sich überhaupt nichts bemerkenswertes, aber Shoshannas Leben, das sie wahrscheinlich mühsam aufgebaut hat, wird zerstört. Beziehungsweise wissen wir, dass Landa die Macht hätte, es zu zerstören. Als er endlich den Raum verlässt, entspannt sich Shoshanna, die Stimmung sinkt aufs Normale und man kann wieder atmen. 

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Children of Men

Children of Men ist ein Film über die Menschheit in der Zukunft. Frauen sind alle unfruchtbar, und es ist seit 18 Jahren kein einziges Kind mehr zur Welt gekommen, die Welt ist voller flüchtender Menschen und Krieg. Einige Menschen hoffen jedoch immernoch auf eine bessere Zukunft und dies aus gutem Grund. Eine schwangere Frau trägt die Hoffnung vieler Menschen.

Mir bleibt vorallem dieser ekelhafte Kontrast, den es sowohl heute als auch in diesem Film gibt. Während Menschen hingerichtet werden und die Welt zugrunde geht, lachen andere und essen Früchte. Das kann man nicht ändern, das weiss ich, aber besonders in diesem Film ist es einfach nur übelkeitserregend, zu sehen, wie gleichgültig Menschen gegenüber Gewalt geworden sind. Es ist leider so einfach, auszublenden was geschieht, wenn es einem selbst gut geht. 

Es hat fast schon weh getan, zusehen zu müssen, wie ein unschuldiges Kind in eine so kaputte Welt geboren wird. Eigentlich habe ich nur etwas zu sagen nach diesem Film: diese dort dargestellte Menschheit war so vollkommen kaputt und krank, dass ich einerseits fast schon erleichtert war bei jeder zusätzlichen vewaffneten Person, die gestorben ist, und andererseits hoffe ich wirklich, niemals in so einer unmenschlichen Gesellschaft leben zu müssen.

Carmen auf Wolke 9 3/4

Eine einsame Laterne in einem schneebedeckten Wald. Ein Schloss mit leuchtenden Fenstern, darunter ein See und dahinter ein Wald. Ein Junge mit Brille und blitzförmiger Narbe auf der Stirn…Ich könnte tagelang aufzählen, welche Welten und Landschaften sich in meinem Bücherregal beziehungsweise in meinen Büchern verbergen, stattdessen widme ich dem Thema einen Blogpost.

Zuerst sei gesagt: nichts übertrifft Harry Potter. Ich weiss, Klischeehafter und typischer geht es gar nicht, doch oftmals unterschätzen Leute, wie viel mir diese Geschichte bedeutet. Ich bin mit diesen Büchern aufgewachsen, habe alle Bücher mindestens dreimal gelesen und kenne so ziemlich jede Theorie, die es gibt. Jeder, der mich kennt, weiss, wie (ungesund?) süchtig ich nach Harry Potter bin und ich bereue das kein Stück weit.

Ich kann kaum sagen, was genau es ausmacht, dass ausgerechnet diese Geschichte mit ihrer Magie an mir kleben geblieben ist, doch so ist es. Ich bin zu allem bereit, nur um ein weiteres kleines Stückchen Hogwarts zu erleben, sind meine Mutter und ich sind sogar absichtlich nach London gereist für das Harry Potter Musical diesen Sommer. Und erst letzte Woche hatte ich einen riesigen Glücksmoment, nachdem ich „Fantastic Beasts and Where to Find Them“  im Kino gesehen habe und mir klar wurde, dass der Spass noch nicht vorbei ist. Ausserdem ist meine ganze Familie begeistert und süchtig nach Harry Potter, was mir das Fangirlen noch leichter macht.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Lesen ist meine Therapie. Besonders Fantasy verschlinge ich regelrecht, ich kriege nicht genug davon. Momentan lese ich zum vierten(?) mal „Die Tribute von Panem“, und obwohl ich jeden Satz auswendig kenne, gibt es nichts schöneres. Ich glaube, wer nicht gerne liest, kann sich diese Begeisterung gar nicht vorstellen, wenn die Kapitel einfach so dahinfliegen und man sich fühlt wie Zuhause. Inzwischen besitze ich etwa dreimal so viele Bücher wie eigentlich nötig und habe leider viel zu viele davon noch gar nicht gelesen, trotzdem möchte ich dieses Hobbie gegen nichts auf der welt eintauschen. Um euch zu demonstrieren, wie weit meine Sucht schon gekommen ist, hier ein Foto von meinem Ein und Alles:IMG_2933.JPG

Ich muss leider zugeben, dass inzwischen bereits einige Bücher mehr in meinem Regal sind, auch wenn das Foto erst zwei Monate alt ist…

Meine Obsession mit Büchern geht so weit, dass ich sogar einen Instagram Account habe, auf dem ich bis vor kurzem regelmässig Bilder zum Thema Bücher gepostet habe. In letzter Zeit komme ich leider weniger zum Lesen, weil mir die Motivation dazu fehlt und die Zeit. Trotzdem, ich glaube, Bücher werden noch lange ein Teil meines Lebens bleiben, denn niemand kann mir das wegnehmen, was sie mir geben: Die Möglichkeit, komplett aus meiner Umgebung zu verschwinden und zu erleben, was ich will.

Für alle von euch, die selbst gerne lesen, dies sind einige meiner Lieblingsbücher, obwohl es mir herzlich schwerfällt, mich festzulegen:

  • Die Bücherdiebin – Markus Zusak
  • Life of Pi – Yann Martel
  • Wie Monde so silbern – Marissa Meyer
  • Carry On – Rainbow Rowell
  • Der Nachtzirkus –  Erin Morgenstern
  • Harry Potter und der Gefangene von Azkaban – J.K.Rowling
  • Half Bad – Sally Green
  • Seelen – Stephenie Meyer
  • …..

Zum Abschluss möchte ich noch klarstellen, dass ich jederzeit für alles zu haben bin, was mit Harry Potter zu tun hat. Ich würde wahrscheinlich meine ganze Familie und mindestens die Hälfte meiner Bücher verkaufen, um morgen in den Hogwarts Express einsteigen zu können und Teil dieser Welt zu werden. Wenn ich morgen also nicht in der Schule erscheine, wisst ihr, jemand hat sein Glück gefunden…

 

Alles andere als Gefühle

Gefühle sind, was uns menschlich macht. Gefühle zwingen uns, zu reagieren, zu denken, jeden Tag von Neuem die Augen zu öffnen und sich Menschen, Situationen, Emotionen zu stellen. Wir alle sind von Gefühlen gesteuert, wir leben und atmen sie, durch sie werden wir zu dem, was wir sind.

Ein auf den ersten Blick nicht sonderlich emotional erscheinender Aspekt unserer Leben: Videospiele. Und doch, durch stundenlanges Diskutieren und sich damit auseinandersetzen, muss ich zugeben, dass Videospiele nichts anderes sind als fertig verpackte Gefühle, in Levels unterteilt und nur darauf wartend, dass wir den Startknopf drücken. Im Artikel „Alles andere als Gefühle“ wird die Abgestumpftheit angesprochen, denen wir heutzutage täglich begegnen, dieser übertriebene Einsatz von Gewalt in Spielen. Eine neue Herangehensweise an Spiele sind die sogenannten „Emotional Games“, darauf wird für die Zukunft der Games gesetzt.

Ein „Emotional Game“ ist ein Spiel, dass sich nicht nur auf Angst und Anspannung konzentriert, denn diese Gefühle sind angeblich besonders leicht auszulösen. Stattdessen ist Empathie das Ziel, eine Verbindung zwischen Spiel und Spieler, dass man sich wirklich Gedanken macht und mit Themen auseinandersetzt. Das Ganze wirft bei mir die Frage auf: wollen wir überhaupt tiefer von einer virtuellen Ablenkung berührt werden? Dienen Spiele nicht eher der Ablenkung von unseren echten Gefühlen als der Erzeugung neuer Fragen?

Durch den Versuch, rohe Gewalt als Auslöser von Emotionen durch etwas anderes zu ersetzen, stossen Spielentwickler auf diverse Probleme. Denn Spiele sind ursprünglich Machtfantasien, in denen der Spieler sein kann, wie und was er will. Wenn nun die Hauptfigur beziehungsweise der Held des Spiels nicht bloss eine Tötungsmaschine ist, sondern ein entwickelter Charakter mit Schwächen und Gefühlen, so nimmt das bestimmt einen Teil dieser kompletten Macht. Denn Gewalt hat keinen Sinn mehr, sobald der Held beginnt, seine Beweggründe zu hinterfragen und darüber nachzudenken, was er da tut. Ein Zitat aus dem Artikel: „Menschliche Helden in Videospielen produzieren oft klaffende Logiklöcher.“

Ihr seht den Konflikt: auf der einen Seite ist da der „leidende Protagonist“, auf der anderen der Spieler, der versucht, diesem virtuellen Abenteuer etwas abzugewinnen. Durch die Vermenschlichung der sonst so perfekten, unbesiegbaren Helden entstehen Widersprüche, es wirkt auf einmal weniger glaubhaft. Beispielsweise ist es nur schwer zu glauben, dass der drogensüchtige, an Depressionen leidende Hauptcharakter zu einem unfehlbaren, grazilen Kämpfer wird, sobald eine Waffe in der Nähe ist.

Sind also nur entweder Gewalt oder realistische Figuren möglich?

Während Gewalt als Werbemittel dient und es ein finanzielles Risiko ist, in Spielen auf sie zu verzichten, ist sie eben doch keine zufriedenstellende Lösung. Nur wenn mit ihr sinnvoll umgegangen wird und nicht verschwenderisch, erst dann können emotionalere Spielsequenzen hinzugefügt werden, ohne dass das Ganze deplaziert wirkt.

Gewalt und Gefühle zu vereinen, führt nach dieser Logik zum idealen Spielerlebnis. Ich kann dem weder widersprechen noch zustimmen, doch ein erwähntes Spiel am Ende des Texts hat meine Aufmerksamkeit geweckt. In Hellblade soll es um eine Kriegerin gehen, die die Hölle durchlebt. Dabei dient die Hölle im Spiel als Manifestation ihrer psychischen Hölle, was eindeutig zu Empathie führt, jedenfalls von mir.

Ich würde jederzeit ein durchdachtes, emotional komplexes Spiel einer Gewaltorgie vorziehen, denn meiner Meinung nach kann man sich auch ohne Mord und Totschlag komplett in einer virtuellen Welt verlieren.

Zu viel und zu wenig

Genau, ich spreche von Zeit. Sie ist etwas. das einfach da ist, schon immer da war, und trotzdem eigentlich nur erfunden. Stunden, Minuten, Jahre…in unseren Köpfen ist diese Vorstellung sosehr verankert, dass ein Leben ohne Zeit ausserhalb unserer Reichweite liegt. Denn ohne die drohende Uhr, woher wüssten wir dann, wann wir aufstehen müssten? Wie wüssten wir, ob uns noch zwei Minuten bleiben oder vier Stunden, bevor es an der Haustür klingelt? Nur dank dieser undefinierbaren, unsichtbaren Einheit gelingt uns der Alltag. Nur so können wir sagen: Ich habe nicht genügend Zeit.

Angeregt zu solch tiefgründigen und zugegeben eher weit hergeholten Gedanken hat mich der Blogeintrag „Schnell, Schneller, Tetris“, in dem es unter anderem um genau diese Frage geht. Was ist Zeit?

Einige Regeln gibt es. Die Zeit ist weder aufhaltbar noch wiederholbar, steht beiläufig mitten im erwähnten Text. Aus irgendeinem Grund macht mich dieser Satz wütend. Weshalb nicht? Wieso kann ich nicht noch einmal den ersten Bissen der Schokolade geniessen oder kurz auf Pause drücken, bevor der Bus anhält? Es wäre so viel einfacher, sicherer, besser mit einem kleinen Controller in der Hand, der ganz nebenbei die Zeit kontrolliert.

Nun ist es leider so, dass irgendwann einmal jemand dieses Konzept von Zeit erfunden hat. Wir sitzen fest in einem Strudel, der uns immer weiter nach unten saugt, durch die Zeit, in die Zukunft. Trotzdem bleiben wir für immer in der Gegenwart, als wäre sie ein kleines Schiffchen auf dem Fluss der Zeit, ein winzig kleines Schiffchen wahrscheinlich, denn oftmals habe ich das Gefühl in Zeit zu ertrinken.

Ist Zeit hilfreich? Oder nur Illusion?

Ich habe bereits in meinem letzten Eintrag darüber gesprochen, dass Kontrolle bloss Illusion ist, und Zeit ist an und für sich nur eine andere Art von Kontrolle. Wäre absolute Freiheit nicht ach das komplette Loslassen, die vollkommene Ablösung eines Augenblickes von der Zeit? Wenn ihr drei Stunden am Fenster sitzt, nur weil diese eine Blume im Sonnenlicht so schön aussieht, und ihr euch dabei keinen Millimeter weit um die Zeit schert, wäre nicht das der Traum?

Blöd ist nur, es gibt Grenzen. Die Kirchenglocken klingeln jede Stunde, die Sonne geht täglich unter, und über allem liegt dieses Netz. Diese Abfolge und Aneinanderreihung von Augenblicken, die unendlich weiter teilbar sind in winzige Stücke unserer Zeit. Und wir alle haben zu viel davon und zu wenig.

„Wir wollen immer noch mehr und sind nie zufrieden mit dem, was wir haben.“ Ob das wohl auch für die Zeit gilt? Ich denke schon. Ist euch schon einmal eingefallen, dass sowohl ihr als auch jeder andere Mensch auf unserem Planeten genau vierundzwanzig Stunden täglich besitzt? Zeit ist Geld, heisst es immer, dabei ist Geld so ungerecht verteilt und Zeit hat jeder gleich viel. Nur was ihr damit anfängt, das ist eure Sache.

Kontrolle

Manchmal sitze ich irgendwo, und beinahe ohne es zu merken, schweifen meine Gedanken ab. Es ist nicht kontrollierbar, ob mir in solchen Momenten eine bestimmte Person in den Sinn kommt oder das Abendessen, auf jeden Fall geschieht es nur sehr selten, dass meine Gedanken einfach leer bleiben. In solchen Augenblicken kann es vorkommen, dass ich unterbewusst ziemlich sinnlose Dinge tue. Ein Beispiel: Ich sitze in meinem Zimmer, meine Pflanze wirft einen Schatten an die Wand. Während ich einatme, konzentriere ich mich auf die hellen Lichtpunkte, während ich ausatme auf den Schatten. Klingt seltsam, ist es auch, trotzdem glaube ich dass jeder ab und zu sein Umfeld auf andere Art und Weise wahrnimmt, wie er das sonst tun würde.

Im Falle des Artikels „Die Tetris These“ hat der Autor darin Komfort gefunden, sich die Abläufe, Gedanken und Situationen des Lebens als Tetris-Steine vorzustellen. Ich kann diese Idee weder nachvollziehen noch verstehen, trotzdem hat diese Art von Denken mich an mich selbst erinnert. Denn wenn jedes noch so kleine Ereignis ein Teil eines grossen Ganzen ist und sich durch jede Sekunde neue „Tetrisreihen“ bilden, fühlt sich die Welt schon weniger bedrohlich an. Vielleicht ist das einfach die Art, wie der Autor dieses Textes seine Realität erträglich macht, durch logisches Anordnen.

Was mir anstelle von Tetris dazu einfallen würde, sind Blöcke. Manchmal merke ich, wie ich mir einen Tag nicht als Zeitspanne vorstelle, sondern als Block, der ähnlich wie in einem Stundenplan unendlich oft zu kleineren Blöcken zerteilt werden kann. Das ist weder etwas, was ich bewusst tue, noch kann ich es kontrollieren – das war nur schon immer so. Es ist eine Art System, an der man sich orientieren kann, eine Stütze, die immer gleich bleibt, egal was sonst geschieht. Vielleicht werde ich diesen Text in einigen Wochen durchlesen und mir denken: So etwas Blödes habe ich noch nie erzählt. Vielleicht auch schon in fünf Minuten. Aber haben wir nicht alle solche unsinnigen Vorstellungen, an denen wir festhalten?

Leben ist nichts, was sich erklären oder systematisieren lässt. Es passiert einfach. Schlussendlich kommt es auf dasselbe heraus, ob wir jeden Moment zu Tode analysieren oder ihn einfach geniessen, der Unterschied liegt nur darin, was wir empfinden. Etwas Logik in die grosse Verwirrung zu bringen, die meiner Meinung nach alle ein Stück weit betrifft, ist doch nur verständlich. Wir fühlen uns klein und unbedeutend von Zeit und Zeit, wir wollen Kontrolle, wir wollen verstehen. Ob uns dies auch gelingt, spielt dabei überhaupt keine Rolle, Hauptsache die Illusion von Kontrolle bleibt aufrechterhalten.

Meine Schlussfolgerung? „Die Tetris These“ betrifft uns alle, ob wir wollen oder nicht. Es hat zwar keinen Sinn und Zweck, Ordnung ins Chaos zu bringen, aber versuchen kann man es.

 

Wir denken nicht, wir googeln

Dieser Satz aus einer Werbung für Google klang für mich immer wie eine dumme Übertreibung: Wir denken nicht, wir googeln. Seit dem Erscheinen dieser Werbung sind Jahre vergangen und ich frage mich: Ist das wirklich eine Übertreibung, oder ist es inzwischen die traurige Wahrheit?

Mein kleiner Bruder musste kürzlich die verschiedenen Hauptstädte Europas auswendig lernen. Moskau, Bern, London, Zagreb…ich versuchte ihm so gut wie möglich zu helfen, doch jedes Mal wenn er sich nicht sicher war, fragte er mich, was denn nun die Hauptstadt von diesem oder jenem Land sei. Mein erster Gedanke, wenn ich nach der Hauptstadt von Wales gefragt werde, ist nicht: Ach, das hatten wir ja bereits im Geografieunterricht, sondern: Warte kurz, ich schaue nach.

Und mit Nachschauen meine ich googeln. Egal ob es ein Rezept für Cupcakes ist, weil ich keine Lust habe in den dicken Kochbüchern meiner Mutter nachzuschauen, oder ein französisches Wort, das mir spontan nicht einfällt: bevor ich nachdenke, frage ich lieber das Internet. Genau aus diesem Grund sind in meinem Browser-Verlauf Dinge zu finden wie „Wann ist der nächste Vollmond“ oder „Wie alt ist Barack Obama“. Einfach nur, weil es halt leichter geht, schneller und vor allem ohne nachzudenken. Natürlich gäbe es immer Alternativen: Zeitung lesen, im Kalender nachsehen, die Eltern fragen…sogar beim Aufzählen dieser Vorschläge muss ich lachen.

Es ist zu so einem grossen Teil unserer Wirklichkeit geworden, dass wir uns zu jeder Zeit und überall auf das allumfassende Wissen des Internets verlassen. Die Gelegenheit dazu bietet sich minütlich: Wann kommt der nächste Bus, wie wird das Wetter morgen, wie hiess nochmal die Mutter von Justin Bieber? Jeder von uns hat schonmal etwas gegoogelt und sich danach gefragt: Wieso. Bin ich schon so weit gesunken, dass ich lieber auf einer Tastatur herumtippe, als kurz mein Gehirn anzustrengen und selbst eine Lösung zu finden?

Die Antwort lautet meiner Meinung nach – eindeutig ja. Es ist vor allem Faulheit, die uns dazu bewegt, immer abhängiger von Programmen zu sein, die Informationen für uns abrufen.  Faulheit und ein stückweit vielleicht auch fehlendes Selbstvertrauen. Ich weiss, dass die Hauptstadt von Holland Amsterdam heisst, aber was, wenn sich das in den letzten zwei Wochen geändert hat? So simpel und so doof ist das, und leider vollkommen wahr.Aber wir wissen: das Internet hat Recht, ich nicht.

Jetzt lautet die Frage: Was macht dieses Verhalten aus uns? Werden wir unser Gedächtnis irgendwann gar nicht mehr brauchen, weil man sowieso von überall her beliebig aufs Internet zugreifen kann? Irgendwie sind wir doch schon auf dem besten Weg dahin. Natürlich gibt es Dinge, bei denen die Digitalisierung vollkommen nachvollziehbar und gut ist, zum Beispiel die Benutzung von Quizlet zum Wörter lernen. Andererseits finde ich es zeitweise fast schon beängstigend, wie schnell das Gehirn aus und das Handy angeschaltet wird.

Denn wenn der Strom ausgeht oder wir die Infoquelle zuhause vergessen – dann sind wir gleich weit wie zuvor.